Im Jahr 1707 erteilte Johann Wilhelm, der in Düsseldorf residierende Kurfürst von der Pfalz, den Auftrag, ihm Abgüsse der bedeutendsten antiken Statuen aus den Antikensammlungen Roms und Florenz‘ zu beschaffen. Drei Jahre später trafen die ersten Skulpturen in Düsseldorf ein. Diese und die in den folgenden Jahren entstandenen Abgüsse, die nach dem Tod Johann Wilhelms nach Mannheim überführt wurden, bildeten den Grundstock für den Antikensaal, den Kurfürst Carl Theodor 1769 als Teil der Zeichenakademie im Quadrat F 6 einrichten ließ. Dieser Antikensaal mit seinem „Wald voller Statuen” (Goethe) wurde zu einem, vielleicht dem Zentrum der Antikenrezeption der deutschen Klassik.

                  
Prof. Dr. Christian Mann und Dr. Rosmarie Günther bei der feierlichen Eröffnung in der Schlosskirche. Foto: Hoffmann

Ab 1991 entstand durch die Initiative von Wolfgang Schiering, dem damaligen, 2005 verstorbenen Inhaber des Lehrstuhls für Klassische Archäologie an der Universität Mannheim, die Antikensaalgalerie. Im Mannheimer Schloss gibt es seitdem eine Sammlung mit Abgüssen antiker Skulpturen, die die Tradition aus der Kurfürstenzeit aufnimmt.

Aus Anlass der beiden Jubiläen, des 300. Jahrestags der Begründung der kurpfälzischen Abgusssammlung und der 20. Wiederkehr der Gründung der neuen Antikensaalgalerie, standen die für die Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts so wichtigen Mannheimer Antikensammlung und insbesondere der europaweit gerühmte Mannheimer Antikensaal im Zentrum eines fächerübergreifenden wissenschaftlichen Colloquiums im Mai 2011.


Die Lesung in der Antikensaalgalerie wurde musikalisch umrahmt. Foto: Günther

In Vorträgen aus den Bereichen der Geschichtswissenschaft, der Archäologie und Denkmalpflege, der Kunstgeschichte und germanistischen Literaturwissenschaft sowie in musischen Beiträgen wurden unterschiedliche Aspekte des Mannheimer Antikensaals beleuchtet. Im Mittelpunkt stand dabei neben der Geschichte der kurfürstlichen Abgusssammlung die weit reichende Rezeption der Sammlung und ihrer Skulpturen in allen Bereichen von Kunst und Kultur des 18. Jahrhunderts, die sich in zeitgenössischer Plastik und Malerei ebenso niederschlägt wie in der Kunsttheorie und der Literatur. Darüber hinaus wurde die Bedeutung der aktuellen Abgusssammlung als Zeugnis der Stadtgeschichte und als didaktisch wertvolle Lehrsammlung für Studierende der Universität reflektiert.

 
Mit dem  veröffentlichten Band mit dem Titel des Goethezitats „Ein Wald von Statuen“, der auch in der UB ausleihbar ist, wird der Ertrag dieser Tagung der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Wald von Statuen – Kolloquium zum 20jährigen Bestehen der Antikensaal-Galerie in Mannheim und zur Begründung der Kurpfälzer Abguss-Sammlung vor 200 Jahren
PELEUS – Studien zur Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns, Band 62
ISBN:978-3-44710302-2300 Seiten, 170 Abbildungen