Universität Mannheim
Historisches Institut
Alte Geschichte
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Mareile große Beilage ist beginnend mit dem Frühjahr-Sommersemester 2018 Doktorandin bei Prof. Dr. Christian Mann und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Alte Geschichte beschäftigt.

Dissertationsvorhaben:
Die Auguren. Funktions- und Bedeutungswandel der römischen Vogelschauer zwischen Religion und Staatsmacht (Arbeitstitel)

44 v. Chr. meldet der Augur Marcus Antonius ein religiöses Hindernis, um die Wahl seines Feindes Dolabella zum Konsul zu verhindern. Das gemeldete Zeichen ist, schließlich hatte Antonius es im Vorfeld sogar dreist angekündigt, natürlich frei erfunden. Alle wissen es – und halten sich trotzdem daran.

Diese vom empörten Cicero geschilderte Episode weckte mein Interesse am Umgang der Römer mit Tradition und Religion in der Politik. In meinem Dissertationsprojekt setze ich mich mit der bereits umfassenden Forschung zu Religion und Politik in der Römischen Republik auseinander und möchte überprüfen, ob der Zugang über die traditionellen Priesterkollegien, die zunächst vor allem große Kontinuitäten sichtbar machen, auch für die Erforschung der römischen Kaiserzeit fruchtbar gemacht werden kann. Die Auguren bieten sich als Priesterkollegium wegen ihrer untrennbaren Verbindung zum politischen Raum als Untersuchungsgegenstand besonders an. Ich begreife sie dabei als staatliches Gremium, durch dessen Autorität die politische Elite die Deutungshoheit in der von göttlichen Zeichen durchwirkten römischen Welt beansprucht.

Der Arbeitstitel beruht auf zwei Hypothesen der bisherigen Forschung:
1.) Die Auguren hatten eine politische Bedeutung.
2.) Mit einer Veränderung der Machtstrukturen zwischen Republik und Kaiserzeit fand auch eine Veränderung der Funktion und Bedeutung der Priesterkollegien statt. In der Regel wird davon ausgegangen, dass der Einfluss der Kollegien abnahm.

Derzeit, in der Anfangsphase meiner Dissertation, überprüfe ich diese Hypothesen auf ihre Stichhaltig- und Belegbarkeit. Entgegen meiner ursprünglichen Annahme erwarte ich, größere Kontinuitäten als Veränderungen sichtbar machen zu können. Diese sollten jedoch, möglicherweise auch schon für die späte Republik, nicht mit anhaltender, großer Bedeutung der traditionellen Priesterämter gleichgesetzt werden. Denn wer heute in Vereinen, Verbänden und Parteien aktiv ist weiß: Nichts ist schwerer zu ändern als die Dinge, die „halt schon immer so“ waren. Provokant zugespitzt: Sind die Auguren für die Römer irgendwann vielleicht nur noch so wichtig, wie für den Großteil der Baden-Württemberger die gesetzlichen Feiertage zu Pfingsten? Und sind sie die Stützen eines politischen Konservativismus?