Universität Mannheim
Historisches Institut
Alte Geschichte
L 7, 7 – Raum 006
68161 Mannheim
Telefon: 0621/181-2308
E-Mail:

Sprechstundenzeiten: Mi, 13.06.; Mo, 02.07.; Mo, 09.07.; Mo, 16.07., jeweils 14-15 Uhr

Mareile große Beilage ist seit dem Frühjahr-Sommersemester 2018 Doktorandin bei Prof. Dr. Christian Mann und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Alte Geschichte beschäftigt.

DISSERTATIONSVORHABEN:
RELIGION UND KAISERHERRSCHAFT IM 1. JAHRHUNDERT N. CHR. – EINE NUMISMATISCHE STUDIE AUS ADLERPERSPEKTIVE (ARBEITSTITEL)

Auch in modernen Gesellschaften, in denen Herrschaft ohne die Beteiligung breiter Massen ausgeübt werden soll, sind Rituale, ob religiös oder nicht, maßgeblich für die emotionale Gemeinschaftsbildung und damit die Stabilität des politischen Systems.

Der Glaube an eine Schicksalsgemeinschaft war auch für die römische Staatsreligion konstitutiv. Dass Religion – und gerade der Kult um die Person des Kaisers – für die Stabilität der Kaiserherrschaft in Rom von Bedeutung war, ist dabei längst etabliert. Ich möchte diese Feststellung weiter ausdifferenzieren und fragen, welche Rolle religiöse Traditionen tatsächlich für die Autorität und die Kommunikation des Machtanspruchs eines römischen Kaisers spielen.

In meinem Dissertationsprojekt wende ich mich der staatlichen Religion in der frühen Kaiserzeit zu. Während die politische Realität zwischen Republik und Kaiserzeit großem Wandel unterlag, zeigen sich auf Ebene der Religion zunächst vor allem Kontinuitäten. Den vielbeforschten Kaiserkult einmal ausgenommen, gibt es auch in der Kaiserzeit ein fortlaufendes rituelles Tagesgeschäft, bei dem an jeder Ecke geopfert, gefeiert und über Vorzeichen gerätselt wird. Aufgrund der hohen Selbstverständlich- und Alltäglichkeit des Traditionellen ist dieser Aspekt der Religion in literarischen Quellen jedoch wenig sichtbar. Zu heterogen und schlaglichtartig ist das Material. Ich versuche deshalb, die Bezüge der Kaiser zur römischen Religion aus einer Adlerperspektive zu betrachten, die nur das numismatische Material in dieser Form erlaubt. Die Vorgehensweise mag ungewohnt und gar grob scheinen – Teil meines Interesses ist es jedoch auch herauszufinden, was genau aus dieser Perspektive möglicherweise sichtbar wird und wie damit gearbeitet werden kann. Nichts muss staatliche Autorität klarer, zuverlässiger, allgemeiner und verdichteter ausdrücken als ein Münzstempel – insofern geben die Münzen eindeutige Hinweise darauf, in welchem Maß Religiöses in staatliche Autorität eingebunden war. Die Fülle und stabile Überlieferungssituation des Materials tun ihr Übriges, um die Münzprägung zur meines Erachtens wohl zuverlässigsten und, nachdem einige methodische Fragen geklärt sind, zur am besten zu bearbeitenden Quelle für die Untersuchung staatlicher Religiosität in der Kaiserzeit zu machen.

Zur Erforschung der römischen Kaiserzeit will ich auf diese Weise Antworten auf zwei Detailfragen beisteuern:
1.) Welche Informationen kann der numismatische Befund zur Rolle von Religion im Staatswesen beitragen?
2.) Inwiefern beeinflusst Religion die staatliche, in diesem Fall kaiserliche Autorität?

Über eines bin ich mir bereits sicher: Der kaiserliche Einfluss auf religiöse Traditionen war begrenzt. Der Kaiser musste seine Autorität, der die römische Religion nach manch moderner wie antiker Auffassung „völlig ausgeliefert war“, in einzelnen Aspekten den bestehenden Sensibilitäten zweifelsohne anpassen.