In der Filmreihe “Propaganda im NS-Kino” zeigte das Cinema Quadrat am 25. Mai 2017 den Film ICH KLAGE AN (Deutschland 1941. R: Wolfgang Liebeneiner). Dr. Dominik Nagl hielt zusammen mit Madeline Dahl die Einführung.

Vordergründig ist ICH KLAGE AN ein ergreifendes Sterbehilfe-Melodram: Hanna Heyt ist an multipler Sklerose erkrankt. Während ihr Mann, Medizin-professor, verzweifelt an einem Heilmittel forscht, schreitet die Krankheit unaufhaltsam fort. Schließlich bittet Hanna darum, sie zu erlösen. Ihr Mann wird angeklagt, ein Mordprozess muss klären, ob die Tat ein humanitärer Akt war. Das Drama um unheilbares Leiden und Tötung auf Verlangen war Teil einer großangelegten Propagandaaktion, die den Weg für ein angestrebtes Sterbegesetz bereiten sollte, in dem die systematische „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ juristisch gefestigt werden sollte. Auf subtile psychologische Weise wird der Filmzuschauer zur Akzeptanz eines rechtlichen Rahmens für staatliches Töten verführt, zur Akzeptanz des „schönen Todes“, der Euthanasie. So spricht der Film mit allen Mitteln des Emotionsdramas von etwas, das er gar nicht sagt: Er plädiert letztendlich für die staatliche Entscheidungskompetenz darüber, wer leben darf und wer sterben soll.

In Kooperation mit der Fachschaft für Geschichte und Altertumswissenschafen sowie der Fachschaft MKW der Universität Mannheim

Bildquelle: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden

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