Aktuelle Forschungsinteressen

Ein in Planung befindliches Projekt widmet sich dem Wandel von Staatsdenken, staatlicher Praxis und nationalen Handlungsspielräumen unter den Bedingungen der Globalisierung vom Beginn der Hochmoderne um 1860 bis zum frühen 21. Jahrhundert. Das Projekt will die seit 1990 verbreitete Diagnose vom Verlust politischer Steuerungsfähigkeit des Nationalstaats durch Globalisierungs-prozesse aus historischer Perspektive untersuchen.

Dissertation

Konsenskapitalismus und Sozialdemokratie. Die Westernisierung von SPD und DGB, (Ordnungssysteme, Bd. 13) Oldenbourg Verlag, München 2003.

Die Studie untersucht den Wandel im politischen Denken und im Selbstverständnis der westdeutschen Arbeiterbewegung zwischen Mitte der 1940er und Mitte der 1960er Jahre. Die SPD wandelte sich in dieser Zeit von der proletarischen Klassenpartei zur linken Volkspartei, von der Systemopposition zur Regierungspartei in einer Großen Koalition. Zugleich begannen auch die westdeutschen Gewerkschaften, sich nicht mehr als antikapitalistische „Gegenmacht”, sondern als Interessenverbände der Arbeitnehmerschaft innerhalb der marktwirtschaftlichen Ordnung zu verstehen, deren Aufgabe es war, mit den Interessenvertretern der Arbeitgeberschaft zu verhandeln. Gefragt wird nach der Bedeutung, die Exilerfahrungen und Kontakte zwischen der westdeutschen und der amerikanischen Arbeiterbewegung für diesen Wandel hatten. Es geht im Grunde um eine transnationale Geschichte des Godesberger Programms.

Dieser Wandel wird als „Westernisierung” beschrieben, als Prozess interkulturellen Transfers. Westernisierung meint die Verbreitung angelsächsisch-westlicher Werte, wie etwa ein pluralistisches Gesellschaftsbild, ein liberaldemokratisches Politikverständnis, der Schutz der Rechte des Individuums vor dem Staat sowie des Privateigentums, in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, vor allem durch meinungsbildende Eliten, durch Intellektuelle und Publizisten, oder durch Funktionäre in Parteien und Verbänden. Damit ist aber keine einfache Übernahme solcher Ordnungsvorstellungen impliziert, sondern ein Prozess der Anverwandlung oder Akkulturation – so wird aus dem DGB eben keine Gewerkschaftsorganisation nach amerikanischem Muster.

Habilitation

Erdbeeren und Piraten. Die Royal Navy und die Ordnung der Welt 1770-1860, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012 (2. Auflage 2012).

Das Buch untersucht den Beitrag der Royal Navy zur weltweiten Durchsetzung einer europäischen Rechts- und Eigentumsordnung. Die Royal Navy war im frühen 19. Jahrhundert auf allen Weltmeeren präsent. Sie war nicht nur ein Instrument der Seekriegsführung, sondern auch dafür zuständig,, die Wildnis Tasmaniens in einen Garten zu verwandeln und den malaysischen Piraten die Landwirtschaft nahezubringen. Die Vermessung der Welt, die “Verbesserung” der Natur und die EIngriffe in die Rechtssvorstellungen und Lebensweisen anderer Kulturen waren teil einer gloablen, maritimen Ordnugspolitik, die die Grundlage für Großbritanniens imperiale Weltmacht-stellung im 19. Jahrhundert legte. DIese Form der Machtpolitik basierte vor allem auf der Aneignung und Anwendung vobn Wissen. Das Buch ist die erste deutschsprachige Studie zur Rolle der Royal Navy in der europäischen Übersee-Expansion des 18. und 19. Jahrhunderts.