Die Geschichte der Universität Mannheim ist eine Geschichte dreier Institutionen: die der Handelshochschule, der Wirtschaftshochschule und die der heutigen Universität mit wirtschaftswissenschaftlichem Fokus.

Die Wurzeln der Universität Mannheim reichen bis in den Winter 1897/98 zurück: Erste Vorlesungszyklen wurden für Industrielle und Kaufleute veranstaltet. Erst während der Amtszeit des Oberbürgermeisters Otto Beck (1846-1908) und in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Professor Eberhard Gothein (1853-1923) wurde der Grundstein für die Gründung einer Handelshochschule gelegt. Ein Jahr nach der Umwandlung der Wintervorlesungen zu Handelshochschulkursen planten Gothein und Beck die Einrichtung einer Hochschule. Zum Wintersemester 1907/08 begann in Mannheim das wirtschaftswissenschaftliche Lehr- und Studienangebot. Dabei zeichnete sich die Hochschule durch eine geschlechterspezifische Öffnung nicht nur auf Studierendenebene aus: So wurde Elisabeth Altmann Gottheiner (1874-1930), die bereits 1908 ihre Lehrtätigkeit in Mannheim begonnen hatte, 1925 als nebenamtliche Hochschuldozentin berufen und damit de facto die erste Hochschulprofessorin Deutschlands. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs mussten die Lehrveranstaltungen aufgrund der Konskription von Dozenten und Professoren vielfach gestrichen und der Lehrplan insgesamt an kriegsrelevante Themen angepasst werden. Die Zahl des Studentenkörpers stieg jedoch in den 1920er Jahren wieder an, sodass ein schrittweiser Ausbau der Hochschule erforderlich wurde. Allerdings währte dieser nicht lange: Unter den Nationalsozialisten wurde die Handelshochschule bereits zum 15. Oktober 1933 aufgelöst und nur teilweise an die Universität Heidelberg angegliedert.

Nach dem Ende des Krieges wurde in Mannheim die Wirtschaftshochschule gegründet, die offiziell die Nachfolge der Handelshochschule antrat. Zunächst begann der Lehrbetrieb im Mai 1946 mit 120 Studenten in den Räumen der Lessingschule. Die Studentenschaft nahm zu, sodass die gewachsene Hochschule im Sommersemester 1955 im Ostflügel des Schlosses untergebracht wurde. Das Lehrangebot konnte in den Folgejahren durch den Aufbau neuer Lehrstühle, wie u.a. auch eines geschichtswissenschaftlichen in den 1960ern, grundlegend ausgebaut werden. Parallel dazu wurden neue Abschlüsse eingeführt, so das sozialwissenschaftliche Diplom und das Staatsexamen. Die Ausdifferenzierung der wissenschaftlichen Disziplinen verlor im Zuge dieser Entwicklung nach und nach an Dominanz und diese machten schließlich nur noch weniger als ein Drittel der Lehrstühle aus.

Die Umbenennung der Wirtschaftshochschule zu „Universität Mannheim” 1967 schloss daher unmittelbar an die vorangegangene wissenschaftliche Genese an. Von den Wogen der Studentenunruhen kaum berührt, folgte auf die formelle Gründung als Universität 1969 die Ausarbeitung der Grundordnung, die mit acht Fakultäten verabschiedet wurde. Im weiteren Verlauf der 1970er und 1980er Jahre konnte die Universität weiter ausgebaut werden, wobei vollkommen neue Lehrstühle und Studiengänge entstanden. In den späten 1980er Jahren zeichnete sich dieser Ausbau immer deutlicher auch an den Studentenkapazitäten ab, die regelmäßig überschritten wurden. Diese studentische Hochphase erforderte ab den 1990er Jahren einen Ausgleich der finanziellen Situation, sodass eine grundlegende Umstrukturierung erforderlich wurde. In Folge dieser wurden v. a. die geisteswissenschaftlichen Fächer und Lehrstühle, wie z. B. die Klassische Philologie, die Geographie, Archäologie und Slawistik, schrittweise abgebaut. Dadurch wurden die wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen erneut akzentuiert, wobei das Signum einer jeden Universität, die wissenschaftlicher Pluralität, bewahrt werden konnte. Im Zuge des Bologna-Prozesses leistete die Universität Pionierarbeit, als sie bereits 1999 die traditionellen Magister- und Diplomstudiengänge durch die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge sowie auch das weit verbreitete System des Winter- und Sommersemesters durch Herbst- und Frühjahrssemester ersetzte. Großes Interesse hat die Universität auch gegenwärtig an internationaler Vernetzung und Wahrnehmbarkeit, in deren Zentrum der wirtschaftswissenschaftliche Schwerpunkt liegt. Nicht zuletzt hat dieser auch entscheidenden Anteil am hohen internationalen Renommee, das die Universität genießt.

Damit diese facettenreiche Geschichte erinnert und zukünftig fortgeschrieben werden kann, bewahrt das Universitätsarchiv Dokumente aus Verwaltung, Lehre und studentischem Leben und lädt Interessierte zu Forschungen ein.