Die Geschichte der Freizeit kann nicht ohne die Geschichte der Arbeit geschrieben werden – und umgekehrt. Beide Konzepte sind diffus und vieldeutig, beide umfassen ganze Bündel von Tätigkeiten, aber bleiben zugleich aufeinander bezogen. Ihr Verhältnis ist durch wechselseitige Ausschließung, Überlappungen und Wirkungen geprägt. Als Dichotomie bildet Arbeit/Freizeit einen wirkmächtigen Ordnungsversuch, mit dem der Zeitgebrauch sozialer Gruppen eingeteilt, bewertet und hierarchisiert wird.

In dem von Reinhild Kreis und Josef Ehmer herausgegebene Themenheft der Zeitschrift WerkstattGeschichte will der Wirkmacht dieser Dichotomie nachgehen.

Die Beiträge sollen nachdrücklich zwei ihrer zentralen Folgen aufzeigen: Erstens die geringe Sichtbarkeit von und das fehlende Vokabular für eine Beschreibung von Tätigkeiten, die sich nicht in die Dichotomie von Arbeit/Freizeit einordnen lassen und dementsprechend wenig Anerkennung erfahren. Zweitens die Attraktivität dieser Zweiteilung, die Menschen dazu verleitet, Formen des Zeitgebrauchs einer der beiden Kategorien zuzuordnen. Dabei erweist sich die Dichotomie Arbeit/Freizeit als gleichermaßen stabil und flexibel. Sie erlaubt vielfältige Begründungen, warum eine Tätigkeit als Arbeit oder als Freizeit zu gelten habe (oder eben nicht), bleibt aber als ordnendes Begriffspaar unverändert bestehen.

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