Vom ‘Archiv des Grauens’ zum ‘Schaufenster der Demokratie’: Der Internationale Suchdienst und transatlantische Vergangenheitspolitik in der Ära des Kalten Krieges

(University of Pennsylvania, Betreuer: Gassert)

Ich interessiere mich für die Politisierung des Archivwesens und meine Dissertation nimmt als Ausgangspunkt die vor kurzem veröffentlichten Akten des Internationalen Suchdienstes (ITS), der von den britischen und amerikanischen Regierungen im Jahre 1944 gegründet wurde, um die im Laufe des Zweiten Weltkrieges vermissten oder verschleppten Personen zu suchen. Der eskalierende Kalte Krieg aber führte zu einer starken Veränderung des ursprünglichen Mandats. Es geht mir daher um die Instrumentalisierung des Suchdienstes und des sogenannten „Archiv des Grauens” durch die Bundesrepublik Deutschland und die Westallierten zwischen den Jahren 1950 und 1956, um ihre politische und kulturelle Ziele zu fördern und legitimieren. Sowohl die Verwaltung des Suchdienstes als auch die Kontrolle über die Archivalien waren von beträchtlicher zweckmässiger und symbolischer Bedeutung für die beteiligten Staaten, von den Vereinigten Staaten über die Bundesrepublik Deutschland bis zum Staat Israel. Meine Forschung zeigt die überraschende und einflussreiche Rolle des ITS in der Entwicklung des Kalten Krieges, der Beziehungen zwischen den Staaten des Westens in der Nachkriegszeit, sowie der frühen Geschichtspolitik der Bundesrepublik Deutschland.

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