“Frieden im Patriarchat ist Krieg für Frauen!” – Die westdeutsche Frauenfriedensbewegung der 1970er und 1980er Jahre

(Betreuer: Gassert)

Im Rahmen des Forschungsprojektes Nuclear Crisis – Transatlantic Peace Politics, Rearmament, and the Second Cold War beschäftigt sich dieses Dissertationsprojekt mit der Geschlechterdimension der Friedensbewegung der 1980er Jahre. Dabei stehen zwei Aspekte im Vordergrund. Zum einen das Geschlechterverhältnis innerhalb der gesamten Friedensbewegung. Zum anderen sollen vor allem auch die zahlreichen von Frauen für Frauen organisierten Gruppierungen und Aktionen untersucht werden, die als autonomer Teil innerhalb der Friedensbewegung betrachtet werden können.
Ein Beispiel hierfür sind die „Frauen für den Frieden”-Gruppierungen, die ihren Ursprung in Dänemark hatten. Hier initiierten Frauen im Februar 1980 eine Unterschriftenaktion begleitet von einem Aufruf „Frauen für den Frieden”, der unter anderem Abrüstung und den Stopp des Machtkampfes zwischen den Großmächten Amerika und Sowjetunion forderte. Auch in der Bundesrepublik und der DDR beteiligten sich zahlreiche Frauen an dieser Aktion und gründeten meist kleinere, lokale Gruppen unter dem Namen „Frauen für den Frieden”.

Themen und Ziele der Frauenfriedensbewegung waren durch eine starke Verknüpfung der Friedensthematik mit frauenspezifischen Themen gekennzeichnet. Der Einfluss der Frauenbewegung und ihren emanzipatorischen Forderungen ist an vielen Stellen gut sichtbar.
Zusammenfassend lassen sich einige übergeordnete Themen und Ziele der Frauenfriedensbewegung festhalten:
Einerseits die Verhinderung der Aufrüstung und einer befürchteten Militarisierung der Gesellschaft und damit die Beendigung des Wettrüstens der Supermächte USA und Sowjetunion.
Generell war das Verhältnis von Frauen zum Militär ein wichtiges, teils ambivalentes Thema. So wurde innerhalb der Bewegung, trotz ihrer pazifistischen Grundorientierung, kontrovers diskutiert, ob ein Wehrdienst für Frauen abgelehnt oder aus Gründen der Gleichberechtigung befürwortet werden sollte.
Eine weitere Frage war die Bedeutung von Krieg und Gewalt für das weibliche im Vergleich zum männlichen Geschlecht. Die Mehrfachbedrohung von Frauen sollte herausgestellt werden. Das übergeordnete Ziel war die Verhütung von Gewalt gegen Frauen in allen Lebensbereichen. Je nach Nähe der Akteurinnen zur Frauenbewegung konnte es mit anderen feministischen Forderungen verbunden sein.
In ihren Protestformen, unterschieden sich die Frauen kaum von der allgemeinen Friedensbewegung: Demonstrationen, Unterschriftenaktionen, Blockaden und Menschenketten waren häufig gewählte Mittel. Der eigentliche Unterschied bestand darin, dass Aktionen organisiert wurden, die sich nur an Frauen richteten. Als besondere Protestformen von Frauen werden Frauenfriedensmärsche und Verweigerungsaktionen, bei denen Frauen ‚vorsorglich’ bei der zuständigen Behörde schriftlich jede Form des Kriegseinsatzes verweigerten, genannt. Bei deren Wirkung handelt es sich jedoch um ein Desiderat, das im Rahmen dieser Untersuchung geschlossen wird.

Den Ausgangspunkt des Forschungsprojekts bildet die Neue Frauenfriedensbewegung der BRD von den späten 1970er Jahren bis in die erste Hälfte der 1980er Jahre. ‚Neu’ war sie in Abgrenzung zu früheren von Frauen getragenen Bewegungen der 1950er Jahre und der des 19. Jahrhunderts. Berücksichtigt wird, dass es sich bei der Frauenfriedensbewegung, genauso wie bei der gesamten Friedensbewegung um ein internationales und blockübergreifendes Phänomen handelte. Aus diesem Grund kann die BRD nicht isoliert betrachtet werden. Die Interaktion der westdeutschen Frauen mit Frauengruppen anderer Länder wird in die Analyse einbezogen.
Ein weiterer Aspekt, der untersucht wird, ist das Verhältnis von Selbst- und Fremdwahrnehmung der Frauenfriedensbewegung. Zeitungsartikel in der Tagespresse über Aktionen der Frauen sind rar, sie selbst kritisieren die Ignoranz gegenüber der Frauenfriedensbewegung (z. B. Hanne-Margret Birckenbach) und die Unsichtbarkeit ihrer Tätigkeiten. Diesen Aspekt weiterzuverfolgen erscheint sehr erkenntnisbringend: trotz ihrer scheinbaren Unsichtbarkeit, ist die Bedeutung der Frauen für die Friedensbewegung nicht zu unterschätzen Dies macht allein schon ihr rein zahlenmäßig großer Beitrag deutlich.
Die Wahrnehmung der Frauenfriedensbewegung wird entlang dreier Achsen untersucht. Erstens die gegenseitige Wahrnehmung zwischen Frauenfriedensbewegung und gesamter Friedensbewegung. Zweitens die Wahrnehmung der Frauenfriedensbewegung durch die nicht aktive Öffentlichkeit, zum Beispiel in der Tagespresse, im TV oder in politischen Debatten. Die Rezeption durch aktive Befürworter und vor allem Befürworterinnen der Nachrüstung bildet die dritte Achse.

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