Vorbereitung auf den Verteidigungszustand. Ökonomische, technische, materielle und personelle Aspekte und Dimensionen der Mobilmachung und Militarisierung der DDR-Gesellschaft in den 1970er und 1980er Jahren

(Betreuer: Bange)

Das Dissertationsprojekt erforscht die Dimensionen und Auswirkungen der gesamtgesellschaftlichen wie territorialen Mobilmachung und Militarisierung der DDR in den 1970er und 1980er Jahren. Die besondere militärgeografische Lage der DDR an der westlichen Bündnisgrenze des Warschauer Vertrages machten nach den Maßgaben des sowjetischen Generalstabs und der Vereinten Streitkräfte besondere Vorkehrungen und Vorbereitungen nötig. Zum einen waren die bewaffneten Organe der DDR entsprechend den operativen Planungen personell wie technisch-materiell aufzustellen, um erfolgreich an offensiven Handlungen nach einem Angriff der NATO, der als unausweichlich angenommen wurde, teilzunehmen. Zum anderen mussten dafür das Territorium und die gesellschaftlichen Bereiche bereits im Frieden als potentielles Versorgungshinterland der Truppen des Warschauer Vertrages hergerichtet werden. So schrieb bereits 1961 das Verteidigungsgesetz der DDR die Nutzbarmachung aller Ressourcen des Landes für die Landesverteidigung vor.
Neben Lagern für Reserven zählen dazu die personelle Mobilisierung zur Landesverteidigung jenseits von Wehrdienst und Sozialistischer Wehrerziehung, die Ausrichtung des Infrastrukturnetzes auf die Belange der Heranführung von Truppen aus dem Osten oder die zahlreichen Schnittmengen und Querverbindungen zwischen dem militärischen und den zivilen Bereichen. Darüber hinaus wurden Mittel des zivilen Bereichs beispielsweise des Gesundheitswesens oder Fahrzeuge, Maschinen und Gerät aus der Volkswirtschaft fest für die Mobilmachung von Truppen und den Verteidigungsfall eingeplant. So ergaben sich nicht nur zahlreiche zivil-militärische Doppelfunktionen, sondern mitunter eine erhebliche Verknappung von wichtigen Ressourcen des zivilen Sektors.
Die Arbeit folgt der Fragestellung, welche materiellen und personellen Kapazitäten der DDR-Gesellschaft über das Militär hinaus in welcher Weise für die Landesverteidigung eingesetzt bzw. eingeplant wurden. Anliegen ist es, die Ausmaße und Folgen für Gesellschaft, Infrastruktur und Wirtschaft des Landes dieser Vorbereitung auf den Verteidigungszustand zu systematisieren und quantifizieren sowie die Rolle der Militarisierung bei der Herrschaftssicherung der SED zu untersuchen.

Zur Person

Johannes Mühle, geb. 1988 in Bad Muskau, studierte von 2007 bis 2013 die kulturwissenschaftliche Ausrichtung des Studiengangs Kultur und Technik an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (seit Juli 2013 Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg) auf Bachelor und Master. Seine Masterarbeit verfasste er zum Thema: „Wir waren eingesperrt und haben uns selbst bewacht” – Hintergründe, Motive und philosophische Aspekte des Dienstes bei den grenzsichernden Organen der DDR. Von 2012 bis 2013 war er studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Technikgeschichte an der BTU Cottbus, zwischen November 2013 und Mai 2014 erarbeitete er einen militärhistorischen Reiseführer und einen militärhistorischen Handbuchartikel im Rahmen des Projekts: Die Niederlausitz und die südliche Lubuskie. Eine Kulturlandschaft im Zentrum Europas. Sein im Juni 2014 aufgenommenes Promotionsprojekt am Historischen Institut der Universität Mannheim beschäftigt sich mit den Dimensionen und Auswirkungen der Mobilmachung und Militarisierung der DDR-Gesellschaft in den 1970er und 1980er Jahren.

Publikationen

Johannes Mühle, Jan Łukasiewicz. Bedeutung der logischen Analyse für die Erkenntnis, In: Mario Harz/Jakob Meier (Hg.), Collegium Logicum: Schriften zur Logik, Cottbus 2011, S. 24 bis 27.

Johannes Mühle, Glasindustrie als „Integrationsmotor”?. Das Beispiel Weißwasser als Glasindustriestandort im 19. Jahrhundert, In: Heinz-Dieter Heimann/Klaus Neitmann/Thomas Brechenmacher (Hg.), Die Nieder- und Oberlausitz – Konturen einer Integrationslandschaft, Bd. III: Frühes 19. Jahrhundert, Berlin 2014, S. 247 bis 253 (= Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte, Bd. 13).