“Kaufleute, Händler und Unternehmer in Lille: Eine vergleichende Studie zur britischen, deutschen und schweizerischen Migration nach Nordfrankreich (1789-1914)

(Betreuerin: Borgstedt)

Das Dissertationsprojekt befasst sich ausgehend von der ökonomischen Tätigkeit mit dem Privat- und Gesellschaftsleben von immigrierten Kaufleuten und Unternehmern in der nordfranzösischen Stadt Lille, die im 19. Jahrhundert zu den führenden französischen Wirtschaftszentren gehörte. Die wichtigsten Branchen stellten die Textilproduktion, der Maschinenbau und das Chemiewesen dar. Als Quellen dienen bisher wenig beachtete Akten des Departementsarchivs Lille und anderer nordfranzösischer Archive. Der Untersuchungszeitraum beginnt mit der Französischen Revolution (1789) und endet im Jahre 1914 mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der eine Zäsur darstellte.

Der Schwerpunkt dieser komparativen Studie liegt neben dem Kultur- und Wissenstransfer auf dem Anpassungsprozess von britischen, deutschen und schweizerischen Kaufmannsfamilien in ihrer neuen Lebenswelt. Es wird danach gefragt, wie sich die Selbstwahrnehmung und Identität im Generationsverlauf veränderten. Der Fokus liegt auf bedeutenden Dynastien die über drei Generationen in Lille und der Region Nord-Pas-de-Calais nachzuweisen sind. Dieser Vergleich ermöglicht die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Zuwanderergruppen herauszuarbeiten.

Im „langen 19. Jahrhundert“ wurden die Fundamente des heutigen Verständnisses von Nationalstaaten und Staatsbürgerschaft gelegt. Mit der auf Homi K. Bhabha zurückgehenden Hybridität als „dritten Raum der Identität“ wird versucht, die bisherigen Assimilations- und Integrationskonzepte aufzubrechen. An der Fallstudie von Lille wird untersucht inwieweit Hybridität auf die historische Migrationsforschung anwendbar ist. Das Dissertationsprojekt dient der Erforschung der westeuropäischen Identitätsgeschichte am Übergang der Neuzeit zur Zeitgeschichte und leistet einen Beitrag zur Migrationsdebatte.

Zur Person

Doktorand am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Universität Mannheim mit dem Promotionsprojekt „Kaufleute, Händler und Unternehmer in Lille: Eine vergleichende Studie zur britischen, deutschen und schweizerischen Migration nach Nordfrankreich (1789-1914)“.

Bachelor- und Masterstudium der Geschichte an der Universität Mannheim von 2008-2014 mit dem Nebenfach Politikwissenschaften (Politische Soziologie). Auslandssemester an der L’Université du Littoral Côte d’Opale Boulogne-sur-Mer, Nord-Pas-de-Calais, Frankreich (2013/2014) und anschließend ein zweimonatiges Auslandspraktikum beim Deutschen Historischen Institut Paris (Frühjahr 2014).

Forschungs- und Interessengebiete

  • Französische Geschichte des 19. Jahrhunderts und die deutsch-französische Aussöhnung nach 1945
  • Vergleichende westeuropäische Migrationsgeschichte mit dem Schwerpunkt auf Frankreich (Minderheiten, Ethnizität, Kulturbeziehungen und Wissenstransfer)
  • Emigration und Exil
  • Baden-württembergische und deutsche Auswanderungsgeschichte (Kettenmigration,  Auswanderung in die USA und Kanada)

Publikationen

Marius Golgath, Von der Kurpfalz nach Pennsylvania: Die bewegende Lebensgeschichte des Kirchenpioniers Antonius Jacobus Henckel 1668-1728, Ubstadt-Weiher 2013