Forschungsschwerpunkte

  • Deutsche Zeitgeschichte, insbesondere “Bonner Republik” sowie Geschichte des deutschen Südwestens nach 1945
  • Preußische Geschichte, insbesondere 19. Jahrhundert
  • Biographischer Zugriff/biographische Methodik

Forschungsprojekt

Hans Filbinger (1913-2007). Eine Biographie

Maßgeblich prägte Hans Filbinger das Land Baden-Württemberg, zwölf Jahre stand der CDU-Politiker als Ministerpräsident an der Spitze der Regierung. Im August 1978 musste er infolge massiver Angriffe und Debatten um seine Tätigkeit in der Marinejustiz während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zurücktreten.

Angesichte einer ausnehmend guten Quellenlage und einer Vielzahl von Anknüpfungspunkten der zeitgeschichtlichen Forschung ist es möglich, weit über eine „klassische” historisch-kritische Biographie hinaus, ausgehend von der Person Filbingers Beiträge zu zentralen Themenfeldern der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts zu liefern.

Filbingers Tätigkeit im „Dritten Reich” wird unter zwei Aspekten analysiert: Einerseits wird exemplarisch die Geschichte der Wehrmachts- resp. Marinejustiz in den Blick genommen, andererseits erfolgt eine Analyse der Debatte, welche 1978 kulminierte, unter dem Stichwort „Vergangenheitspolitik”.  Ein weiterer Schwerpunkt der Studie wird Filbingers Wirken als Landespolitiker im Südweststaat sein, welches gerade im Bereich der Umweltpolitik überraschend moderne Elemente aufweist.

Insgesamt gilt Filbinger als politisch ausgemacht konservativer Exponent, nicht nur innehrlab der CDU. Besonders nach seinem Rücktritt bildete er durch das „Studienzentrum Weikersheim” einen Mittelpunkt dieser Denkströmung. In den „dynamischen Zeiten” der sechziger und frühen Jahre stand Filbinger vergleichsweise statisch und unbeweglich, am Ende seiner Amtszeit verfügte er, auch unabhängig von den Angriffen durch die Medienöffentlichkeit, kaum mehr über Rückhalt.

Die Studie wird ein ebenso facettenreiches wie widersprüchliches Leben zum Ausgangspunkt nehmen und ein Panorama aufzeigen, welches großflächig Erkenntnisse zur deutschen „Vergangenheitspolitik”, zur baden-württembergische Landesgeschichte, zur politischen Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts sowie zur Thematik der mit dem Stichwort „1968″ verknüpften Umbrüche liefert.