Forschungsschwerpunkte

  • Konsumgeschichte
  • Protestgeschichte des 20. Jahrhunderts
  • Geschichte der transatlantischen Beziehungen im 20. Jahrhundert
  • Politische Geschichte der Bundesrepublik
  • Emotionengeschichte

Laufendes Habilitationsprojekt

Praktiken des Selbermachens sind eine Blindstelle moderner Industriegesellschaften. Sie entziehen sich eindeutigen Zuordnungen, sondern können, je nach Kontext, an unterschiedlichen Stellen im Koordinatensystem von Arbeit, Freizeit, Konsum und Produktion verortet werden. Das Projekt nimmt diese Blindstelle in den Blick und fragt nach den Motiven, Formen und Bewertungen von Praktiken des Selbermachens vom dem späten 19. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre.

Die Industrialisierung erschütterte bisherige Vorstellungen und Praktiken von Produktion und Konsumption sowie traditionelle Zeitregimes. Mit dem rasch wachsenden Warenangebot sowie der zunehmenden Trennung von Erwerbsarbeit und Freizeit entstanden alternative Wege des Gütererwerbs im breiten Spektrum zwischen Selbermachen und dem Kauf eines Fertigprodukts. Vertreter aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur mussten – ebenso wie der Einzelne in seinem sozialen Umfeld – die Bedeutung von Fertigkeiten, Rollenbildern, sozialen Beziehungsmustern sowie überkommener Wissensbestände neu aushandeln, definieren und legitimieren.

Ziel des Projekts ist es, über die analytische Unterscheidung zwischen Selbermachen und Nicht-Selbermachen die Entstehung und Entwicklung der Konsumgesellschaft in Deutschland mit ihren sozialen und kulturellen Implikationen zu analysieren. Untersuchungszeitraum ist die Hochmoderne, in der sich rapide wandelnde politische, ökonomische, soziale und kulturelle Rahmenbedingungen immer wieder Neuaushandlungen an der Schnittstelle von Konsum, Arbeit und Freizeit nötig machten. Die analytische Unterscheidung zwischen dem Selbermachen und dem Nicht-Selbermachen liegt quer zur bisherigen Konsumforschung und ermöglicht die systematische Untersuchung sich verändernder Sozialbeziehungen, Wissensbestände und Praktiken im Konsumzeitalter.

Dissertation

Orte für Amerika: Deutsch-Amerikanische Institute und Amerikahäuser seit den 1960er Jahren

Um das westliche Bündnis im Ost-West-Konflikt nach innen zu stabilisieren, setzten die USA während des Ost-West-Konflikts auf auswärtige Kultur- und Informationspolitik. In der Bundesrepublik wandten sich etwa 20 Amerikahäuser und Deutsch-Amerikanische Institute an die westdeutsche Bevölkerung, um Sympathien für die Politik und die Werte der USA zu erzeugen. Sie waren jedoch nicht nur Mittler im amerikanischen Auftrag, sondern durch vielfältige Beziehungen fest in der westdeutschen Kulturlandschaft verankert. In der Öffentlichkeit standen sie als symbolische Orte für „Amerika” – im positiven wie im negativen Sinne.

Diese Studie analysiert die Strukturen, Zielvorgaben und das Instrumentarium der amerikanischen Kultur- und Informationspolitik in der Bundesrepublik, Themenkarrieren und -konjunkturen sowie die Amerikahäuser und DAI in ihren lokalen Beziehungsgefügen. An der Schnittstelle von USA und Bundesrepublik, Außen- und Kulturpolitik, Regierung und Öffentlichkeit zeigt die Untersuchung der Amerikahäuser und Deutsch-Amerikanischen Institute die Gestaltung, Dynamiken und Spannungen der transatlantischen Beziehungen seit den 1960er Jahren unterhalb der diplomatischen Ebene.